Am 1. Mai 2026 haben die Mitglieder anlässlich der Jahresversammlung die Situation mit der Klostergemeinschaft diskutiert. Die Mitglieder sind einhellig der Meinung, dass die Ansiedlung einer neuen Glaubengemeinschaft ein zentrales Ziel des Vereins ist, von dem sie nicht abweichen wollen. Sie beauftragen den Vorstand, Wege zu finden, wie diese Vorgabe weiterhin erreicht werden kann.
In diesem Sinne nahmen sie auch Kenntnis vom Jahresbericht des Präsidenten und folgten ihm mit grosser Unterstützung:
jahresbericht des präsidenten 2025 (auszug)
Das vergangene Vereinsjahr war ein Jahr intensivster Arbeit und positiver Veränderungen, endete aber mit grosser Enttäuschung. Der Auszug von Sr. Scholastika Ende Oktober aus dem Kloster hat viele hängige Aufgaben deblockiert und eine grosse Entspannung in Wonnenstein gebracht. Die nun umfassende Übernahme der Verantwortung erlaubte besonders eine konzeptionelle und materielle Erhöhung der Sicherheit mit den Aspekten Brandschutz, Zugangssicherung und Notfallorganisation.
Leider blieb uns der grösste Erfolg in diesem Jahr verwehrt: Die durch den neuen Bischof verhinderte Ansiedlung einer neuen Glaubensgemeinschaft in Wonnenstein vernichtete nicht nur eine fünfjährige Projektarbeit, sondern stellt auch die Zielsetzung und den Auftrag des Vereins insgesamt in Frage.
Verein
Die Zusammensetzung des Vorstands hat sich im Berichtjahr stark verändert:
Die anlässlich der Landsgemeinde in Appenzell neu gewählte Frau Landammann des Standes Appenzell Innerrhoden, Angela Koller, übernimmt das Departement und die Kastvogtei von Roland Inauen und damit auch den beratenden Sitz im Vorstand.
Als Ersatz für seinen zurückgetretenen Vertreter, Generalvikar Guido Scherrer, hat das Bistum St. Gallen den neuen Generalvikar Sebastian Wetter in den Vorstand des Vereins abgesandt.
Im Juli 2025 hat die Kapuzinerinnen-Föderation St. Klara die ew. Frau Mutter des Klosters Maria Hilf in Altstätten, Sr. M. Angelika Scheiber, zur ihrer Präsidentin gewählt. Damit übernimmt Sr. M. Angelika auch die Funktion der persönlichen Oberin von Sr. Scholastika und der kirchenrechtlichen Oberin des Klosters Wonnenstein.
Gemäss Art. 13 der Statuten konstituiert sich der Vorstand selbst: Der neue Vorstand hat denn auch bestätigt, weiter als Kollegium wirken zu wollen, und hat auf die Nomination zusätzlicher Funktionen (neben Präsident und Kassier) verzichtet.
Der Vorstand hat seine Geschäfte 2025 in physischen Sitzungen und vielen persönlichen, telefonischen und elektronischen Direktkontakten behandelt. Im Zentrum standen vor allem vielfältige Unterhalts- und Betriebsfragen, die Gestaltung der Ansiedlung der neuen Glaubensgemeinschaft, die Problematik um Sr. Scholastika und die Umsetzung des Masterplans 2025. Eine Auslandsreise führte eine Delegation des Vorstands mit dem Generalvikar des Bistums St. Gallen nach Deutschland, wo sie eine der Niederlassungen der anvisierten Kongregation und auch das Bistum in Münster zu Gesprächen besuchten.
Neben vielen aktuellen, täglichen Fragen beschäftigten den Vorstand auch die gerichtliche Auseinandersetzung mit Sr. Scholastika. Seit längerem war dem Vorstand bekannt, dass Sr. Scholastika die Frage nach der Auszahlung ihres Privatvermögens vor das Bundesgericht zu bringen beabsichtigte. Mit Datum vom 26.02.2026 hat ihr Anwalt denn auch ihre Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht.
Situation Kloster
Die neue Oberin Sr. M. Angelika und der neue Bischof Beat Grögli haben veranlasst, dass Sr. Scholastika am 24. Oktober 2025 das Kloster Wonnenstein endgültig verlassen hat. Ein erster Aufenthalt im Pflegeheim und Spital dienten einem medizinischen Eingriff. Danach konnte Sr. Scholastika vorübergehend im Kloster Maria Hilf in Altstätten wohnen. Ab dem 10. Januar 2026 hat sie sich im Kurhaus Marienburg in St. Pelagiberg zu einem Daueraufenthalt niedergelassen.
Nach dem Auszug hat der Verein das gesamte Areal gesichert. Da das Kloster vorübergehend nicht mehr bewohnt ist, wurden die Aufgaben Hauswartung, Reinigung und Sicherheit mit den Aspekten Brandschutz, Zutrittssicherung und Notfall-Organisation verstärkt und neu organisiert.
Ansiedlung neue Glaubensgemeinschaft
Bei diesem Hauptziel des Gesamtprojekts Wonnenstein konnte der Vorstand den grössten Fortschritt erzielen. Nach 5 Jahren Kontaktaufbau und -entwicklung und wiederholten Besuchen der Leitungsgruppe von Maria Stella Matutina im Bistum und im Kloster hat der damalige Bischof Markus abgeklärt, ob in Rom allenfalls Einwände gegen eine Ansiedlung von Maria Stella Matutina bestehen würden. Im Februar 2025 hat der Bischof den Verein autorisiert, mit dieser Kongregation direkte Gespräche aufzunehmen, um eine Ansiedlung in Wonnenstein zu konkretisieren. Anfang April 2025 besuchte eine Delegation des Vorstands die junge Niederlassung von Stella Matutina in Deutschland und führte auch Gespräche mit dem verantwortlichen Bistum Münster.
Alle Teilnehmer haben individuell einen sehr guten Eindruck von der Gemeinschaft wie auch von der Kongregation erhalten und befürworteten ausdrücklich eine Ansiedlung in Wonnenstein. Die Gespräche mit den Schwestern zeigten eine aufgeschlossene Gemeinschaft weltoffener Frauen mit einer grossen Neigung zur Kontemplation. Die Schwestern ihrerseits äusserten sich sehr interessiert an der Gründung einer neuen Niederlassung in Wonnenstein.
Auf dieser Grundlage trafen sich der Vorstand und die Schwestern im Oktober 2025 zu einem mehrtägigen Arbeitsbesuch in Wonnenstein mit dem Ziel der Konkretisierung dieser Ansiedlung und konnte am 24. November 2025 unter Zustimmung aller im Projekt eingebundenen Interessengruppen eine bindende Absichtserklärung über die Ansiedlung von Maria Stella Matutina in Wonnenstein unterzeichnen. Doch kurz danach widerrief der neue Bischof Beat Grögli seine Zustimmung zur Ansiedlung von Maria Stella Matutina in Wonnenstein. Die sich aus einer Gemeinschaft mit Missbrauchs-Vorfällen abgespaltene Kongregation habe sich seiner Meinung nach hinsichtlich ihrer Gesinnung und Abgrenzung von einzelnen Personen nicht in genügendem Masse verselbständigt.
Zu diesem Entscheid hat der Verein bestätigt, dass gemäss seinen Statuten die kirchliche und spirituelle Verantwortung für eine religiöse Gemeinschaft im Kloster Wonnenstein beim zuständigen Bischof liegt.
Strategie / masterplan
Damit ergibt sich für den Verein eine neue Ausgangslage. Der integrale Auftrag in den Statuten hat zwar weiterhin volle Gültigkeit. Doch die Zielerreichung ist insbesondere hinsichtlich der Ansiedlung einer neuen Gemeinschaft in Frage gestellt. Der Vorstand wird sich daher vorläufig auf die eingeschränkte Zielsetzung (Sicherung und Bereithaltung der Infrastruktur) fokussieren und alle hierfür geeigneten Entscheidungen fällen und Massnahmen umsetzen. Damit tritt die möglichst rasche Umsetzung des Masterplans 2025 und die Erlangung der finanziellen Tragbarkeit für das Klosterareal in den Vordergrund.
Umsetzung Masterplan
Der Masterplan 2025 beinhaltet den erforderlichen Fokus auf den Erhalt und die Wiederbelebung von Wonnenstein aus heutiger Sicht. Von der Investitionsseite her sollte der Masterplan durch den Verein weitgehend aus eigener Kraft umgesetzt werden können. Hier gilt es aber zu beachten, dass Verzögerungen im Projekt und laufende Rechtsverfahren die verfügbaren Mittel fortlaufend schmälern und das Finanzierungsrisiko damit ansteigt.
Für die wirtschaftliche Tragfähigkeit, welche vor allem die laufenden Unterhalts- und Betriebskosten abdeckt, braucht es neue Formen der Nutzung, die wirtschaftlich tragfähig sind und gleichzeitig dem Geist und Charakter des Ortes gerecht werden. Diese Nutzungsformen sollen den Unterhalt und Betrieb finanzieren, aber auch Leben ins Kloster zurückbringen. Hierfür hat der Vorstand eine «Ausschreibung Nutzung und Betrieb» erarbeitet, die in noch detaillierterer Form als der Masterplan die möglichen Neunutzungen umschreibt. Es ist dies der nächste Konkretisierungs- und Umsetzungs-Schritt für den Masterplan.
Mit der kurzfristig bevorstehenden öffentlichen Ausschreibung sucht der Verein einen oder mehrere Mieter und Betreiber, engagierte Personen, Gruppen oder Organisationen, die sich mit eigenen Ideen, Projekten oder Betrieben in das Kloster Wonnenstein einbringen möchten – sei es im Bereich Wohnen, Arbeiten, Kultur, Spiritualität oder gemeinschaftsorientiertes Wirken. Gesucht werden Konzepte, die entweder Teilbereiche nutzen oder idealerweise mehrere Nutzungen sinnvoll kombinieren. Wichtig ist, dass sie zur Belebung des Klosters beitragen und langfristig dessen Erhalt sichern können.
Masterplanprojekt Klosterschenke
Ebenfalls ein Teilprojekt des Masterplans ist die Wiedereröffnung der Klosterschenke in Wonnenstein. Ein neues Gastronomie-Konzept zeigt den Rahmen dafür auf, die Vorbereitungsarbeiten für die Erneuerung der zugehörigen Küche und die Renovation der Räumlichkeiten sind weit gediehen. Im Januar 2025 wurde die Baueingabe eingereicht. Die Wiedereröffnung der Klosterschenke nach ca. 65 Jahren ist für Frühling 2027 geplant.
Dank
Der Präsident des Vereins Kloster Maria Rosengarten Wonnenstein dankt allen Kolleginnen und Kollegen im Erweiterten Vorstand für das grosse Engagement und für die konstruktive Zusammenarbeit in diesem herausfordernden Jahr. Dann gehört der Dank allen Vereinsmitgliedern, denn ohne deren moralische und finanzielle Unterstützung wäre dieses Gemeinschaftswerk für das Kloster Wonnenstein undenkbar. In den Dank eingeschlossen werden aber auch die Behörden und die Politik für deren Unterstützung. Gemeinsam ist das Ziel, den Erhalt des Klosters Wonnenstein mit möglichst wenig Steuergeldern zu bewerkstelligen.
Wonnenstein, 20. Mai 2026
